Preis der Freiheit auf zwei Rädern

preis der freiheit„Wenn du etwas nicht weißt, hast du diesbezüglich Zweifel. Weil du zweifelst, verlässt dieses Etwas deinen Geist nicht mehr. Wenn das Prinzip dieses Etwas klar ist, wird nichts in deinem Geist zurückbleiben. Das bedeutet das Erschöpfen allen Wissens und Meistern aller Dinge.“

Yagyu Munenori

 

Wovon lebt eigentlich Peter?
Der Titel eines schrägen Musikstücks, das vor einigen Jahren die Radiosender rauf und runter lief. So schräg, dass es mit normalen Maßstäben gemessen, eigentlich kaum eine Chance bekommen hätte in den Charts zu bestehen. Das es trotzdem ein Erfolg wurde, lieg meiner Meinung daran, dass jeder in seinem Bekanntenkreis einen „Peter“ hat, der sein Leben außerhalb gesellschaftlich akzeptierter Normen lebt und bei dem man sich genau diese Frage stellt.

Nun heiße ich nicht nur Peter, sondern bin auch so einer, bei dem sich viele Fragen, wovon er eigentlich lebt. Meiner Erfahrung nach wird diese Frage eher selten am Anfang einer Begegnung gestellt. Sie steht meist am Ende einer Entwicklung und oft schwingt eine Spur von Neid in ihr mit, wird sie gestellt. Kaum jemand erwartet zu diesem Zeitpunkt noch tatsächlich eine ehrliche Antwort auf diese Frage. Längst hat sich der Fragesteller seine Meinung gebildet und so wandelt sich die Frage eher zur Schlusspunkt setzenden Feststellung dieser Meinungsbildung dar.

Da gibt also es einen Peter, der sein Leben offensichtlich abseits der geraden Schienen allgemein üblicher Gesellschaftsnormen lebt und nicht im Geringsten daran zu Leiden scheint. Der Hauch, des in der feststellenden Frageform mitschwingenden Neides, rührt von der Tatsache, dass kaum jemand nicht schon einmal mit dem Gedanken gespielt hat, die Weichen seiner rast- und ruhelosen Fahrt durchs Leben grundlegend neu zu stellen und diesen Gedanken, gesellschaftlicher Formeln der Vernunft folgend, bereits im Aufkeimen erstickt hätte. Da es dieser „Peter“ jeder Vernunft trotzend tut, bleibt also nur noch die feststellende Frage: „Wovon lebt eigentlich der Peter?!“.

Selbstverständlich habe ich mich als direkt betroffener bereits intensiv mit dieser Frage auseinandergesetzt und wäre durchaus in der Lage sie zu beantworten. Doch da ich sie bisher bis auf wenige Ausnahmen eher als Festlegungsform und weniger als ernst gemeinte Frage verstanden habe, soll sie an dieser Stelle weiterhin als Mysterium bestehen bleiben. Statt sie zu beantworten, will ich selber zwei von mir ernst gemeinte Fragen in den Raum stellen.

Die eine richtet sich direkt an den Peter und lautet:
„Welchen Preis zahlt der Peter eigentlich für das Leben das er führt?“.

Die andere richtet sich als Gegenfrage an alle, die sich fragen wovon der Peter eigentlich lebt und lautet:
„Wofür lebst Du eigentlich und welchen Preis zahlst Du für das Leben das Du im Augenblick führst?“

In der folgenden Geschichte lädt einer dieser „Peter“ alle ernsthaft Fragenden dazu ein ihn auf seinem Weg ein Stück zu begleiten.

Eine Antwort auf die Frage wovon er denn nun lebt ist unwahrscheinlich. Stattdessen wird man erfahren, dass jedes Leben seinen Preis fordert und das es im Leben Dinge gibt für die es sich mehr oder weniger zu leben lohnt. Dabei spielt es keine Rolle, ob man sein Leben innerhalb gesellschaftlicher Normen lebt oder sich abseits des gesellschaftlichen Schienenstrangs bewegt.

Die Freiheit auf zwei Rädern
Lenke ich meine Aufmerksamkeit auf die Erinnerungen meiner Jugend, fallen mir nur wenige Menschen ein, die in ihrer Vergangenheit nicht bereits den Wert der Freiheit auf zwei Rädern für sich entdeckt hätten. Ihr erstes Fahrrad haben die meisten zuerst mit Stützrädern oder als Dreirad „erfahren“. Doch schnell wurden die Stützräder zur Bremse eines zunehmenden Drangs freier Bewegung und mit ihrer Demontage begann das erste „choppen“.

Denke ich an diese frühe Zeit zurück, dann spüre ich noch heute deutlich die Halt und damit auch Sicherheit bietende Hand des Vaters auf meiner Schulter und erinnere mich daran, wie er zunehmend schwer atmend neben mir die Straße herunter läuft, um mir dabei zu helfen dem sich entwickelten Gefühl der zweirädrigen Freiheit zu trauen, mein Gleichgewicht zu finden und zu entwickeln.

Ermutigung, Herausforderung, Anfeuerung und mitunter auch Trost, lag in seiner Stimme und ließ das Adrenalin in meinem kleinen Körper so sehr ansteigen, dass mir zunächst überhaupt nicht bewusst wurde, dass sich seine Hand längst von meiner Schulter gelöst hatte und sich selbst die Stütze seiner Stimme allmählich hinter mir verlor.

Die anfänglichen Augenblicke meiner neu erworbenen Freiheit zogen sich in den ersten Tagen und Wochen nur über wenige Häuserblöcke hin und obwohl bei den ersten Stürzen noch bittere Tränen flossen, trug ich die davongetragenen Abschürfungen an Armen und Beinen eher als Auszeichnungen einer offen angenommenen Herausforderung und weniger als die Wunden der Niederlage.

Schon damals forderte die Freiheit ein Leben in der Bewegung zweier Räder zu führen ihren Preis und die meisten waren, wenn auch ungern, dazu bereit diesen Preis zu zahlen. Obwohl der Kraftfahrzeugverkehr zu meiner Jugendzeit längst nicht mit dem Verkehrsaufkommen der Gegenwart zu vergleichen ist, bezahlten auch damals schon Freunde von mir diesen Preis mit ihrem Leben.

Es gab keine Helme, keine Ellbogen- oder Knieschoner, keine Reflektoren und keine grellbunten Wimpel, die weit über den Kindsköpfen hinweg signalisiert hätten, dass hier ein kleiner Mann seinen Freiheitsdrang auf zwei Rädern auslebte.

Statt anzuschrauben, erlag ich bereits in jungen Jahren dem Drang überflüssiges loszuwerden. In dieser Tradition standen dann auch die Mofas, Mopeds und Motorräder, die den ersten Fahrrädern folgen sollten. Doch das ist eine Geschichte die später erzählt werden soll und wichtiger für den Augenblick ist die Tatsache, dass ich kaum jemanden kenne, der nicht Fahrrad fahren kann.

Es gab einige, die ihre Fahrräder bereits frühzeitig mit solcher Wucht an einem Hindernis zum stehen brachten, dass die Angst vor einer neuerlichen Erfahrung dieser Art sie von dem Erklimmen des nächsten Levels auf zwei Rädern abhielt. Ähnliche Erfahrungen auf nachfolgenden Zweirädern sorgten unter den Verbliebenen dafür, dass sich die Reihen der mich umgebenden Zweiradfahrer mit zunehmendem Alter lichteten.

Darüber hinaus lockte ab einem gewissen Zeitpunkt das Auto mit seiner weitaus größeren Standfestigkeit. So endete für die meisten die Zeit in der sie sich dem Lebensgefühl auf zwei Rädern hingaben mit dem Eintritt in eine Lebensphase die im Allgemeinen als „vernünftig“ bezeichnet wird.

Obwohl man es nicht verallgemeinern kann, betrachte ich Autos und Motorräder als Symbole unserer Gesellschaft, in welchen sich zwei völlig unterschiedliche Lebensgefühle wider spiegeln.

So sehe ich das Auto als ein nach außen gerichtetes Statussymbol gesellschaftlicher Anpassung. Wer in unserer Gesellschaft lebt und etwas leistet, der drückt dies in der Regel auch durch den Besitz und vor allem über Marke und Modell eines Autos aus. Größtmögliche Bewegungsfreiheit bei optimaler Sicherheit. Optimierte elektronisch gesteuerte Technik und Aufprallschutz der inzwischen in jeder denkbaren Richtung geboten wird. Das Auto bietet die unvergleichliche Möglichkeit bequem auf der eigenen motorisierten Couch zu sitzen, während diejenigen, die es nicht so weit gebracht haben, im Regen stehend auf den nächsten Bus warten.

Selbstverständlich gibt es für mich keinen Grund zu verheimlichen, dass auch ich die Vorzüge genieße, die mir das Auto bietet und die Summe meiner zahlreichen Aktivitäten ließe sich ohne ein Auto überhaupt nicht durchführen. Doch für mich stellt diese gesellschaftliche Einheitsschachtel auf Rädern statt eines Symbols der Freiheit lediglich ein Mittel zum Zweck der Bewegung dar. Um für mich zu einem Symbol der Freiheit zu werden, müsste sich in ihm weitaus mehr vom individuellen Geiste seines Besitzers ausdrücken lassen, als es in der Realität der Fall ist. So betrachte ich das Auto in der Regel als den hilflosen Versuch einer Illusion ins Leben zu verhelfen und nur in wenigen Ausnahmen als ein real existierendes Symbol echter Klarheit und Substanz.

Die dem Auto gegenüberliegende Seite wird für mich vom Motorrad besetzt. Eine Seite der Gefahr und des Risikos jenseits der Knautschzone. Doch rate ich dabei zur Vorsicht in der Betrachtung. Zu oft als ein ausschließlich nach außen gerichtetes Symbol des Widerstandes gegen gesellschaftliche Norm, Ordnung und Regel missbraucht, scheint es mir in dieser Rolle häufig missverstanden zu werden. Das was die Masse des gegenwärtig gültigen gesellschaftlichen Verständnisses in einem Motorrad zu sehen glaubt, hat kaum etwas mit der Seele zu tun, die ihm innewohnt und wir wissen aus unserer geschichtlichen Vergangenheit, dass kaum etwas mehr zum haltlosen Missbrauch verführt als ein missverstandenes Symbol.

Das Motorrad wird, obwohl mit seiner noch jungen Geschichte als ein Produkt der Gegenwart betrachtet werden muss, vielerorts bereits als ein Relikt der Vergangenheit betrachtet. Auf dem Weg zur Freiheit auf Rädern stellt es für viele, die an nutzbarem Fortschritt interessiert sind, lediglich eine kleine Sprosse auf der Entwicklungsleiter der Nutzfahrzeuge dar und drohte in den späten 80ger Jahren des vergangenen Jahrhunderts bereits aus dem Straßenbild zu verschwinden und in Vergessenheit zu geraten.

Die Zerrissenheit mit der unsere Gesellschaft dem Motorrad gegenüber steht zeigt sich in der Tatsache, dass es heute mehr denn je und wie kaum ein anderes Fahrzeug einen Drang nach wilder, möglicherweise ungerichteter Freiheit symbolisiert und auf der anderen Seite als veraltet und nutzlos abgetan wird.

So gerät der Sinn zum Unsinn. Für Menschen, die sich kaum ernsthaft mit einem Motorrad auseinandergesetzt haben, erfüllt es in Gegenwart keinen nachvollziehbaren Nutzen und somit könnte die Menschheit sehr gut auch ohne die Existenz von Motorrädern auskommen.

Motorräder machen krach und sie stinken. Sie sind im fließenden Verkehr unberechenbar und weil sich ihr Gebrauchswert darauf zu reduzieren scheint einen oder zwei Menschen zum Spaß zu befördern, könnten wir auf sie getrost verzichten, hört man von Menschen die alleine in ihren Autos sitzend durch die Gegend fahren.

Unzählige Autofahrer, die sich über die, für sie nur schwer einzuschätzende Beweglichkeit eines Motorrades, das im Stau an ihnen vorbeizieht, nicht nur ärgern sondern auch ängstigen und es aus diesem Grund am liebsten aus dem Verkehr gezogen sehen würden, machen sich scheinbar keine Gedanken darüber, dass das Motorrad nichts anders tut als sie selber. Es sucht sich seinen Weg in die gleiche Richtung wie alle anderen auch. Nur eben schneller, flexibler und freier und der Fahrer nimmt sich mitunter die Zeit seine Wege und sein Leben auf einer anderen Ebene zu genießen.

Es ist nicht das Motorrad, das die Menschen schreckt, es ist das was es aus dem Menschen machen kann, der es lenkt. Denn obwohl es sich schnell zu bewegen scheint, erzeugt es Momente in denen sich die Zeit bis zum Stillstand dehnt. Augenblicke in denen ein Mensch auf die Summe seiner selbst zurückgeführt wird. Augenblicke in denen sich seine Wahrnehmung verändert. Augenblicke in denen er vorausschaut und im Einklang mit seiner Natur und der Natur die ihn umgibt steht. Augenblicke, die die Gesellschaft zunehmend als bedrohlich empfindet, weil kaum noch ein Mensch diese Augenblicke kennt oder sich ihnen hingibt.

Die Vorbehalte, die heute dem Motorrad entgegen gebracht werden, beginnen in der Regel mit dem Erwerb des Führerscheins für ein Auto. Dieser gilt in der heutigen Gesellschaft als Symbol zur Überschreitung der Schwelle des Jugendlichen zum Erwachsenen und wird als Ausdruck einer modernen Initiation gerne von den Eltern finanziert. Doch wehe wenn sich zu dieser Gabe der Freiwilligkeit und Weltoffenheit der in Undankbarkeit geschlagene Wunsch des gleichzeitigen Erwerbs eines Motorradführerscheins gesellt!

Für junge Frauen steht dieser Wunsch meist generell außer Frage und wird dementsprechend überhaupt nicht weiter diskutiert. In den Fällen der meisten jungen Männer bedeutet er oft eine mehr oder weniger lang anhaltende Familienfehde in der in letzter Instanz der Verstand des jungen Mannes angezweifelt wird und als letztes Druckmittel der Entzug der Finanzierungsbereitschaft des gesamten Führerscheins angedroht wird.

Argumente der Vernunft werden dabei ebenso angeführt, wie das Anzweifeln der Verstandesfähigkeiten und die unterstellte Neigung zum „Rockertum“ übertreten zu wollen. Am Ende siegt dann meist die Androhung der Verweigerung finanzieller Mittel und es erfolgt nach einem zu erwartenden Rückzieher des Probanden die gleichzeitig befriedigende Feststellung, dass der Verstand des jungen Mannes doch gut zu funktionieren scheint.

Jeder Griff zur Freiheit hat seinen Preis
Doch wie Generationen welken Fleisches und wachen Geistes im Alter erfahren haben, bedeutet aufgeschoben, längst nicht das Ende des in der Jugend begrabenen Widerstandes gegenüber erziehungsberechtigter Vernunft. Der Freiheitsdrang, der sich im fortgeschrittenen Alter in einem längst angepasst geglaubten Geist erneut zu regen beginnt, veranlasst viele zunächst in Form eines Traumes die Spur eines frühen Weges erneut aufzunehmen. Das überraschte Umfeld beginnt erneut den Verstand des Betreffenden in Zweifel zu ziehen.

An dieser Stelle trennen sich in der allgemeinen Wahrnehmung die Wege der Vertreter der so genannten der Motorrad- oder Bikerszene. Und weil diese Trennung in der Regel mit einem, für mich nur schwer nachzuvollziehenden Streit verbunden ist und ich es vor Jahren aufgegeben habe mein Seelenheil im Streit zu suchen, liegt es mir fern, mich einer der beiden Seiten zugehörig zu fühlen.

So gibt es zum einen die, welche sich als die echten, die wahren Biker betrachten, die ihren Traum vom Motorradfahren ihr ganzes Leben lang gegen alle Widerstände gelebt haben und den entsprechenden Preis für dieses Leben gezahlt haben. Dann gibt es diejenigen, die diesen Traum ohne Widerstand zu leisten aufgegeben haben und nun in einer späten Phase ihres Lebens hoffen ihn an gleicher Stelle wieder aufnehmen zu können. Sie werden von den erst genannten verachtet, weil sie ihr Leben in angepassten Bahnen gelebt haben und dabei scheinbar jedes Risiko gemieden haben, durch das ihre gesellschaftliche Sicherheit gefährdet worden wäre. Mit dieser Sicherheit im Rücken versuchen sie nun im Alter erneut den in ihrer Jugend gelebten Traum der Freiheit zu gehen und umgehen damit gleichzeitig die Hindernisse und eben diesen zu zahlenden Preis auf dem Weg den die anderen gegangen sind.

Wie verhärtet dabei die Fronten sind, soll ein kleines Beispiel aus dem realen Leben verdeutlichen.

Den Grundstock meiner Ideen versuche ich mir über Möglichkeiten zu finanzieren, die mir durch den Fortschritt der Zeit in der virtuellen Welt geboten werden und biete Dinge, die in meinem Leben an Bedeutung und Wert verloren haben, über eBay zum Verkauf an.

In einer dieser Auktionen stand ein Benzinhahn von mir zum Verkauf. Ich hatte ihn vor einiger Zeit als Ersatz für einen zunehmend undichter werdenden Hahn gekauft und wollte etwas hochwertig zuverlässiges, um zukünftigen Ärgernissen dieser Art aus dem Weg zu gehen. Der Hahn kostete 92,25 € plus Mehrwertsteuer und wurde nur einmal von mir montiert, um festzustellen, dass der Tank mit dem neuen Hahn nicht mehr passte, weil dieser an der Vergaseroberseite anstieß. Also schraubte ich ihn wieder ab und stellte ihn mit einer Mindestgebotsforderung von 50 € zur Auktion.

Nun werden viele, die versuchen ihre nicht mehr benötigen Dinge über den Auktionsweg an den Mann zu bringen, wissen, das sich dort in zunehmenden Maße Menschen finden, die zwar nicht auf ein Angebot bieten wollen, sich jedoch trotzdem aus welchem Grund auch immer, dazu berufen fühlen sich mitzuteilen.

Im Falle meines Benzinhahns nannte sich dieser Mensch „Blue Chondro“ und über seine erste Mitteilung setzte er mich darüber in Kenntnis, dass er gerade einen neuen Hahn für seine Shovel suche und bereit sei mir 5 € für meinen Hahn und weitere 5 € für den Versand zu zahlen. Außerdem sei es für mich und den Hahn seiner Meinung nach besser, wenn ich das Geld nehmen würde und der Hahn nicht in irgendeinem Keller verstauben würde.

Entgegen meiner Art solche Mails sofort in den Papierkorb zu verschieben, antwortete ich ihm. Ich teilte ihm mit, was der Hahn gekostet hatte, dass er absolut neu sei, ich ihn lieber im Keller verstauben ließe, bevor ich ihn für 5 € verkaufen würde und aus diesem Grund seine Shovel noch etwas auf einen neuen Hahn warten müsse. Damit war für mich diese Art der Konversation erledigt.

Für „Blue Chondro“ offensichtlich nicht, denn es erreichten mich folgende Mails, die ich an dieser Stelle mit einem Augenzwinkern veröffentlichen möchte.

Gesendet von Blue Chondro am 17. 04. 2005 um 23:09 Uhr
Hallo, sicher fährst du eine EVO, entwickelt von Porsche (Big "P",  cerated for Poser). Ich habe 15 Jahre lang 1200 + 1340 ccm Shovels von den Staaten nach Good Old Germany importiert, ein Benzinhahn kostet nicht 100.-€, wenn für dich doch, dann hat man dich ordentlich beschissen. Aber mein Küken, dafür können die Erwachsenen nix. Damals waren noch Biker noch Biker und Bikes noch Bikes, wir haben immer unsere Briefe mit unserem Namen und Adresse  unterschrieben und Nicknames waren  reserviert für schwule Schwanzlutscher. Leider wurden dann die schwulen Evo`s gebaut, Asholebikes for Asholes. Wir konnten noch Zylinderkopfdichtungen auf den Standstreifen wechseln, falls nötig. Die Evowixer standen schon damals mit C in der Nase da und haben auf den Pannenservice gewartet, wie Mädchen auf den Onkel mit der Slipeinlage.
Lass Dich nie auf einem Treffen für Männer erwischen.
Mit besten Grüßen Djambo

Da ich meine Meinung bezüglich des Benzinhahns bereits klar geäußert hatte, blieb diese Mail trotz aller gut gemeinten und liebevoll formulierten Inhalte von mir unbeantwortet. Für “Blue Chondro“, der sich innerhalb einer guten halben Stunde von „Blue Chondro“ zu „Djambo“ und in der Folge von „Djambo“ zu „Gustel“ wandeln sollte und für den Nicknames für schwule Schwanzlutscher reserviert waren, gab es jedoch offensichtlich noch Mitteilungsbedarf.  

Gesendet von Blue Chondro am 17. 04. 2005 um 23:16 Uhr
Ach ja, ganz tief in deinem Popo ist sicher noch Platz für das schwule Teil, mein süßer.

Gesendet von Blue Chondro am 17. 04. 2005 um 23:20 Uhr
Au Ja, fast vergessen, wir in Bayern sind ein sehr konservatives Völkchen, ich habe soeben den Homoblocker aktiviert, falls du jetzt böse bist: einfach schlucken, ist doch in der Homoszene in, musst dich nicht schämen.

Gesendet von Blue Chondro am 17. 04. 2005 um 23:32 Uhr
Ebay wurde erfunden, um alte, nicht mehr benötigte Teile der Öffentlichkeit anzubieten. Alle meine Gebote starten mit 1.- €, ist das Teil mehr wert, dann bekomme ich mehr dafür. Wenn nicht, dann geht es für 1.- € weg. ich muss es nicht entsorgen, es liegt nicht im Keller und verbraucht keinen Platz, ich bekomme sogar noch Geld dafür. ich möchte mich wirklich aufrichtig für meine bösen Mails entschuldigen, aber einen Benzinhahn für 50.-€ gibt evtl. als vergoldete Ausführung. "High Flow" ist High Physik, wenn mehr als die menge Benzin in deinen Vergaser fließt, als durch die Bohrung eines std. Carburator`s geht, dann blockiert der Motor, denn Flüssigkeiten lassen sich nicht komprimieren!!!!!!!!!!!!!!!! kein weitere Streit, keine weiteren bösen Worte, kein Benzinhahn ist mehr Wert als 15.- €, mehr ist betrug, wer mehr bezahlt ist selbst schuld. Nix für ungut aus Bayern.
Ich und meine Kumpels haben gelacht, wir hoffen, du auch.

Gesendet von Blue Chondro am 18. 04. 2005 um 0:03 Uhr
Jeden Tag steht ein Blöder auf, man muss ihn nur erwischen. Ich zahl dir noch 0,50 € extra, wenn nur einer so blöd ist und bei dem "Angebot" klickt. kein Witz, dazu steh ich.
Gruß Gustl  

Bis auf eine Korrektur der gröbsten Rechtschreibfehler, möchte ich das Mitteilungsbedürfnis von „Blue Chondro“ alias „Djambo“ alias „Gustl“, einem Mann der multiplen Persönlichkeiten, der möglicherweise mit einer erschreckend hohen Zahl an Problemen zu kämpfen hat, an dieser Stelle unkommentiert lassen.

Doch sind es nicht bedauerlicherweise gerade diese Blue Chondros, Djambos und Gustls auf der einen und die namenlosen Motorradgegner auf der anderen Seite, die Projekte wie ich sie in meinen Texten beschreibe, zu einer Gratwanderung machen? Menschen mit abstrusen Meinungsäußerungen finden sich in allen Bereichen in denen es um das Finden der eigenen persönlichen Freiheit geht.

Es bleibt nur die feststellende Erkenntnis, dass beide Seiten ihren Preis für ihr „Sein“ bezahlen und so scheint es mir egal was einen Menschen antreibt, solange er bereit ist den Preis dafür zu bezahlen.

Es geht nicht darum darüber zu lamentieren, dass sich kaum einer dieser Blue Chondros, Djambos und Gustls, auf welcher Seite sie auch immer stehen mögen, über den zu zahlenden Betrag bewusst ist und sich widersetzen wird, wenn es um die Endabrechnung geht.

Es geht vielmehr darum seinen ureigenen Traum bewusst anzugehen, ihn zu leben und in der Realität allen Widerständen zum Trotz auf die Räder zu stellen. In den folgenden Texten geht es um Träume. Träume einer Freiheit auf zwei Rädern. Andere träumen vielleicht einem Traum der Freiheit, in dem sie sich auf Schwingen durch die Luft tragen lassen, mit einer Sauerstofflasche auf dem Rücken fast schwerelos durchs Wasser gleiten oder der auf den eigenen Füßen laufend „erlebt“ wird.

Egal, wie dein Traum auch immer aussehen mag. Es ist dein Traum und wenn er es Wert ist gelebt zu werden, dann scheiß auf alle Blue Chondros, Djambos und Gustls der Welt. Nimm ihn und deine Freiheit in die eigenen Hände und lerne es ihn mit Hilfe der eigenen Fähigkeiten zu einem realen Teil deines Lebens zu wandeln und weiter zu entwickeln. Denn jeder Traum der nicht gelebt wurde, bleibt ein Traum.

P.S. Lieber Blue Chondro aka Djambo aka Gustl, seit dem 22. 04. 2005 19:31 Uhr schuldest du mir 0,50 €. Da du den Homoblocker aktiviert hast, konnte ich dich leider zwecks Abrechnung des Betrages nicht erreichen. Es wäre sehr freundlich von dir, wenn du dich diesbezüglich noch einmal bei mir melden könntest.

Mit warmem Herzensgruß, Peter