Madeira Drive Reloaded 2015

Besuch in Düsseldorfs Epizentrum für hochwertige Bekleidung, Kunst der Kustom Kultur und der gepflegten Old School Zweiräder im Stil der Chopperpunk Zen Guerilla.

Text und Fotos: Peter Su Markus
Das Grundkonzept seiner Madeira Drive Idee, eine Anlaufstelle für Freunde der Kustom Kultur und ein ausgesuchtes Angebot der mit dieser Kultur verbundenen Mode zu schaffen, konnte Hagen Jödecke bereits 2009 in Düsseldorf realisieren. In einem kultigen Basement Domizil auf der Hüttenstrasse, diente Hagen seinen Kunden als Beispiel dafür, was es hieß, die Stücke seiner Angebotspalette nicht nur zu tragen, sondern auch zu leben.

            Schnell wurde deutlich, dass die Räumlichkeiten Hagens Vorstellungen jedoch nur bedingt entsprachen, weiterführenden Ideen kaum Platz boten und damit in absehbarer Zeit ein Standortwechsel anstehen würde. Das Angebot den Madeira Drive in eine ehemalige Tankstelle an der Fischerstrasse in den Norden Düsseldorfs zu verlegen, die Hagens Ideen nicht nur wie auf den Leib geschnitten schien, sondern auch eine ganze Palette neuer Möglichkeiten bot, sollte 2011 Bewegung in den Madeira Drive bringen.
Ich begegnete Hagen Jödecke erstmals Anfang 2012. Während meiner Suche nach einem Anbieter einschlägiger Szeneliteratur wurde mir immer wieder Hagens Name genannt und so machte ich mich auf den Weg nach Düsseldorf um mich im Madeira Drive umzusehen und mir einen Überblick über das Angebot zu verschaffen.

            Nun kann man den Namen Hagen nicht gerade als alltäglich bezeichnen und bei dem einzigen Hagen den ich erinnere, handelt es sich um den verschlagenen Typen, der Siegfried den Speer in den Rücken rammelte. Dementsprechend hatte ich das Bild eines dunklen, missmutig gelaunten, eher introvertierten Hagens im Kopf und der Mann der mir die Öl verschmierte Hand zum Gruße reichte, schien auch genau diesem Bild zu entsprechen.

            Doch geht es an dieser Stelle nicht um das Nibelungenlied sondern um die Kustom Kultur, deren Lifestyle und der mit diesem Lifestyle verbundenen Mode, die, wie sollte es auch anders sein, von einem großen Teil der Szene getragen und von einem kleineren Teil der Szene auch tatsächlich gelebt wird. Den Grund dafür, dass Hagen mitunter etwas düster wirkt, schreibe ich dem von mir gewonnenen Eindruck zu, in Ihm so etwas wie einen Reisenden zwischen den unterschiedlichen Szeneausrichtungen und Auffassungen, mit all ihren Höhen und Tiefen zu sehen.

            Würde man ein Remake von - The Wild One - drehen, würde Hagen sicherlich einen Platz in der Gruppe um Lee Marvin einnehmen. Denn auch wenn er mit der Mode der Kustom Kultur handelt, ist er doch jemand der diese Mode auch zu 100% lebt und bereits das macht ihn in der Folge zum Mitglied einer eher kleineren Gemeinschaft innerhalb der großen Szene. Er gibt denjenigen, denen es lediglich um den Aspekt der Mode, nicht um den Geist und die Seele der Kustom Kultur geht, wie bereits geschrieben, ein Beispiel wie die Klamotten die er verkauft aussehen, wenn sie mit diesem Geist gefüllt, sprich im Sinne dieses Geistes getragen werden.

            Alle Label, die in der Kustom Kultur Rang und Namen besitzen und sich diesen Stellenwert auf Grund der gebotenen Qualität auch tatsächlich verdient haben, lassen sich in der Angebotspalette des Madeira Drive finden und was Hagen nicht sofort aus dem Regal ziehen kann, ist über ihn in kürzester Zeit zu beziehen. Das was ältere Generationen noch als den Timex Test aus der Werbung kennen, findet in Bezug auf die Angebotspalette des Madeira Drive in der angrenzenden Werkstatt statt und wenn man Hagen danach fragt, wie sich das eine oder andere Teil im Alltag trägt, pflegt Hagen in der Regel auf sich selbst zu deuten. Eine Möglichkeit der Bertachtung, die man in den Modetempeln an der Königsallee wohl eher vergeblich suchen wird.

            Mit diesem Anspruch schließt sich jedoch gleichzeitig die Hoffnung auf Billigangebote und Schnäppchenjagd aus. Und so geht der suchende Blick nach Wühlkisten und Sonderangeboten im Madeira Drive ins Leere und das ist auch gut so. Mit dem was Hagen seinen Kunden anbietet, ist es ihm erst. Er nimmt seine Kunden ernst und er legt Wert darauf auch von seinen Kunden ernst genommen zu werden. Billigangebote würden hier auf beiden Seiten die Ernsthaftigkeit des Angebotes verwässern und der Geiz ist Geil Mentalität konnte Hagen noch nie etwas abgewinnen.

            Doch allein mit der Tatsache, das Hagen ein besonderes Augenmerk auf die Qualität seiner Angebotspalette legt, ist in einer Stadt wie Düsseldorf, in der bekanntlich an jeder Ecke mit Textilien im oberen Preissegment gehandelt wird, kein Hering vom Teller zu ziehen. Und so stellt sich die Frage, was denn nun das Besondere am Madeira Drive ist. Die Antwort auf diese Frage, erklärt auch gleichzeitig das Öl an Hagens Händen und die Schrauber typischen dunklen Ränder unter seinen Fingernägeln.

            Da sich der Madeira Drive nicht im Bereich der modischen Laufkundschaft befindet und sich die Mode der Kustom Kultur an einen ganz bestimmten Kundenkreis richtet, geht kaum jemand mal eben am Laden vorbei. Wer zum Madeira Drive will, der sucht ihn gezielt auf und weil die meisten Kunden die Kohle die sie bei Hagen lassen wollen erst mal verdienen müssen, verlaufen die frühen Stunden des Tages im Laden eher ruhig. Und weil Hagen als gelernter Betriebswirt nicht nur weiß wie man ein Geschäft zu führen hat, sondern als ebenfalls gelernter Zweiradmechaniker auch über das Wissen verfügt, zweirädrige Hardware dem Stil der Kustom Kultur entsprechend ans Rollen zu bringen, machte er aus der Not eine Tugend und schwang in den Stunden in denen es im Laden eher ruhig zuging den Schraubenschlüssel.

            Das, was im Laufe der Zeit aus der hinter dem Laden gelegenen Werkstatt, die heute unter dem Arbeitstitel - Chopperpunk Zen Guerilla - firmiert, auf die Straße rollte, gefiel der Kundschaft und so kam es wie es kommen musste. Der Werkstattbereich begann allmählich aus allen Nähten zu platzen und auch der vordere Bereich des Madeira Drive benötigte eine deutliche Erweiterung seiner Kapazitäten. Die Lösung des Problems ergab sich mit der Möglichkeit der Anmietung eines Garagenbereichs direkt neben Hagens Räumlichkeiten.

            Mit dieser zusätzlichen Fläche, sieht sich Hagen nun in der Lage einen weiteren Teil seiner Idee auf den Weg zu bringen. Der neu gestaltete Werkstattbereich erlaubt nun das zeitgleiche Arbeiten an mehreren Baustellen. Wer sich bereits mit einem Komplettaufbau eines Bikes beschäftigt hat, wird wissen, wie schnell solch ein Projekt aus dem Ruder laufen und einem den Raum verstellen kann, während man auf bestellte Teile oder Zulieferarbeiten wartet. Einem solchen Fall sieht Hagen innerhalb des gewonnen Platzes nun wesentlich entspannter entgegen.

            Der Raum für Bekleidung und Accessoires aus dem Bereich der Kustom Kultur wurde auf den bisherigen Werkstattbereich ausgedehnt und erlaubt nun eine wertige Präsentation der Angebotspalette in einem ansprechenden Rahmen. In regelmäßigen Abständen soll es weiterhin Veranstaltungen, wie zum Beispiel Foto und Kunstausstellungen aus der Szene der Kustom Kultur geben. Der Werkstattbereich wird mit Swap Meet Veranstaltungen zu Punkten wissen.

            Der Maßstab, den Hagen in Bezug auf das Bekleidungsangebot auf die Qualität seines Warenangebotes anlegt, findet sich auch in der Qualität seiner Werkstattarbeit wieder. Seine dort durchgeführten Aufbauten sind in der Regel einfach und funktional gehalten. Problemlösungen sind technisch durchdacht und werden mit einem hohen handwerklichen Anspruch ausgeführt. Auf einen Stil lässt sich Hagen dabei jedoch nicht festlegen. Er mag Chopper und Bobber im Stil der 70ger und pflegt in seinem Herzen eine besondere Sympathie für Sportster Motoren der Eisenkopf Generation und früher Paralleltwins englischer Herkunft. Als Handwerker der sein Geld in der Stadt verdient, stellt er jedoch ebenso gerne urbane Kurvenkratzer auf die Räder.

            Was er in seiner Werkstatt nicht mag, das sind Schnäppchenjäger und Billigheimer. Auf Kunden, die in der endlosen Weite des Internets ohne mit der Wimper zu zucken horrende Summen für eine bedingt brauchbare, cool scheinende Basis auf den Tresen blättern, um das Ganze dann auf einer Low Budget Basis mit Hagens Unterstützung in einen fahrbaren Zustand versetzen zu lassen, kann und will er gerne verzichten. Und auch diejenigen, die alles besser wissen, alles besser können, um am Ende mit grauenhaft verbastelten Teilen in seiner Werkstatt auftauchen und über das Schlechte in der Welt lamentieren, zählt Hagen eher nicht zu seinem von ihm bevorzugten Kundenkreis.

            Dabei handelt es sich bei Hagen nicht um einen Szene bekannten Besserwisser, der nichts und niemanden auch nur das Schwarze unter den Nägeln gönnt und jeden noch so kleinen Erfolg anderer neidet und abwertet. Obwohl man Hagen durchaus als einen alten Fuchs der Szene bezeichnen kann, er hat sehr wohl verstanden, dass sich die Szene ohne die Förderung nachrückender Generationen sehr schnell im Kreis drehen und damit ins Leere laufen wird. Selbst wenn die Kustom Kultur in vielen Bereichen ausschließlich auf eine Mode reduziert und die Lust am Bike als Trend des Augenblicks betrachtet wird, vermittelt Hagen durch seine Arbeit ein Gefühl dafür, das die Kustom Kulture durchaus über genügend Tiefgang und Hintergrund verfügt, um ihren Mitgliedern einen Raum für kreative Aktivitäten und Austausch unterschiedlichster Interessen zu bieten.

            So gibt der Madeira Drive den Freunden der Kustom Kultur nicht nur die Möglichkeit, sich modisch auf den neusten Stand der Szene zu bringen und sein Zweirad in einen der Szene entsprechenden Zustand versetzen zu lassen, sondern dient auch als Raum der Inspiration zur Entwicklung eigener Ideen in der Gesellschaft Gleichgesinnter.

            Da trifft es sich gut, das Kay Mäser, seines Zeichens Gastronom und Kustom Kultur aktiver Fotograf, seit dem Sommer das ehemalige Kassenhaus der Tanke zu Charlie´s Social Club gewandelt hat, in dem sich die Besucher neben einem Kult verdächtigen Bagel auch mit dem obligatorischen Kaffee versorgen können, um den Besuch im Epizentrum der Kustom Kultur zu einer runden Sache zu machen.

            Um den Umbau und die damit einhergehende Erweiterung des Madeira Drive in einem angemessenen Rahmen zu feiern, lädt Hagen am 29. November zum - Pike Brothers Day - in die Fischerstrasse 3 nach Düsseldorf. Ab 11:00 Uhr wird den alten und möglicherweise auch neuen Freunden des Madeira Drive die Gelegenheit sich über die erweiterte Angebotspalette zu informieren und sich im Kreise Gleichgesinnter auf einen Kaffee und/oder mehr in Carlie´s Social Club zu treffen.

            Im Rahmen des erweiterten Angebots erwartet den Freund der Kustom Kulture eine ausgesuchte Palette angesagter Marken und Kollektionen. Dabei legt Hagen wert auf die Feststellung, die Kollektionen von Firmen wie Pike Brothers, Eat Dust, Stetson, Red Wing und Dickies in einem breiten Spektrum und in allen gängigen Größen anbieten zu können. Neben dem Warenangebot und dem leiblichen Wohl, werden gegen Abend die Jungs der Gruppe - Deep Aeon - für den musikalischen Rahmen sorgen, sprich die Werkstatt rocken und die Kulisse des Madeira Drive gleichzeitig zur Produktion eines Videos nutzen und damit das Ganze in Ton und Bild festhalten.

            Wer statt auf Stoff, auf altes Eisen steht, wird in der Werkstatt sicherlich das eine oder andere interessante Aufbauprojekt unter die Lupe nehmen und Hagen auf die Möglichkeit zur Umsetzung eigener Pläne für die anstehende Umbauzeit ansprechen können. All das sollte genügen, sich am 29. November auf den Weg nach Düsseldorf zu machen, um in der Gesellschaft Gleichgesinnter einen entspannten Tag im Zeichen der Kustom Kultur zu verbringen.

Weitere Informationen finden Mann wie Frau unter:
www.madeiradrive.blogspot.de
https://www.facebook.com/madrive
https://www.facebook.com/pages/Charlies-Social-Club/271732176346828

In diesem Sinne, Keep on Ridin´ Easy