Alpen xChallenge 09

Frank Bick

Am 12. Oktober startete ich mit meiner 2 Monate zuvor erworbenen G650X die erste Tour. In erster Linie um festzustellen wie es mit dem Fahrzeug wohl in der Ferne sein wird. Begleitet wurde ich von meinem Neffen Kevin Voss, der mit dieser 10 Tage Tour über die Alpen sein Motorrad-Reisedebut gab. Er war mit einer Suzuki GSXR 6 unterwegs. Unterschiedlicher hätten die Konzepte wohl kaum ausfallen können.

Die Xchallenge wurde mit 5 Gepäckstücken von insgesamt max. 40kg gefahren, die funktional gepackt und auch nach Kriterien der optimalen Gewichtsverteilung am Fahrzeug angebracht wurden. Direkt hinter dem Fahrer befindet sich eine kleine leichte Rolle (zum Anlehnen) mit dem Tunnel-Zelt, in diesem Fall ein LOWLAND Caribou 3 EXT, das bei Regen als allererstes aufgestellt wird und hier ausgiebieg zum Test kommt. Nur so ist die Trockenheit der Ausrüstung gewährleistet. Schlafsack, Isomatten, Turnschuhe usw. sind in der hinteren großen Rolle. Im kleinen Alukoffer von 29l sind persönliche Gegenstände, Literatur und Kleidung. Dann gibt es einen Alukoffer 35l mit der Bordküche. Die Koffer müssen mit Folie innen ausgeklebt werden um Aluabrieb zu vermeiden. Man sollte sie auch aussen mit Aufklebern zutackern, denn sie blenden Mitfahrer erheblich. Abgerundet wird alles mit einem 8l Tankrucksack von Vanucci - Modell Compact - mit integrierter Regenhaube, der sich bestens am Fahrzeug macht, und Taschenlampe, Handy, Fotoapparat usw. beherbergt. Wer eine komplette Checkliste haben möchte, kann diese hier downloaden. Das Fahrverhalten mit 40kg Gepäck, 66kg Fahrer und 9kg Fahreraustattung war bei 10bar Luftdruck auf dem Zentralfederbein optimal. Das Fahrzeug fährt so wie eine R100GS mit White Power Fahrwerk und OHNE Gepäck. Kevin hatte auf seinem Sportler etwa 25kg Gepäck mit Rolle und Tankrucksack und fast alles Zubehör von POLO. Also ab in die Alpen ...

Alpen Tour 2009 BMW XchallengeAlpen Tour 2009 BMW XchallengeAlpen Tour 2009 BMW Xchallenge

Die erste Etappe auf der Tour von etwa 670km ging vom Niederrhein nach 21200 VIGNOLES in der Bourgogne, dort hat der ruhige Campingplatz Les Bouleaux ganzjährig geöffnet. Der größte Teil der Strecke wird auf Autobahnen zurückgelegt. Bei einer Geschwindigkeit von etwa 120km/h verbraucht die BMW G 650 X Challenge etwa 4,1l. Dadurch springt schon nach 150km die Tankanzeige an und man sieht sich gezwungen die kommende Tankstelle anzufahren. Die Seitenbetankung erweist sich als praktisch, denn der bei der Suzuki verwendete Magnet-Tankrucksack Drive von POLO musste jedes Mal umständlich losgebunden werden, da der Sicherheits-Gurt vorn um den Steuerkopf keinen Klickverschluss hat. Solch einen Verschluss sollte man bei fahrintensiven Touren unbedingt nachrüsten, ansonsten machte sich das POLO Produkt prima, die Rolle von POLO übrigens auch.

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So verschieden wie die Motorradkonzepte waren auch die Zeltkonzepte der beiden Motorradfahrer. Der bei Regen zum Kochen, Trinken und Zocken unverzichtbare Vorraum des Tunnezeltes LOWLAND Caribou 3 EXT ist mit 2 Lüftungen ausgestattet und hat ungefähr die Größe des 14,90 Euro 2 Personen Tunnels von POLO. Ohne Gepäck wäre es im POLO Zelt so gerade möglich zu zweit im Zelt zu liegen.

Die zweite Etappe von etwa 400km führte von Vignoles auf Landstraße zu einem weiteren ganzjährig geöffneten Camping in Guillestre, dem Camping St-James-les-Pins. Diese Etappe beinhaltet eine der schönsten Passtrecken der Alpen, den Col du Galibier. Über den Col du Télégraphe schraubt man sich bis auf 2665m Höhe und wird mit fantastischen Aussichten belohnt. Die BMW benötigt auf diesen Etappen lediglich 3l/100km, die Suzuki hat fast das Doppelte an Verbrauch. Spielerisch lässt sich der Einzylinder auch mit dem Gepäck im 2.-3. Gang die Kehren rauf und runter treiben, der Metzeler Sahara Enduro 3 sorgt für hervorragenden Grip. Auch die 600er Suzuki läßt sich gut steuern, muss aber häufig im 1. Gang gequält werden.

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Nach Minusgraden auf dem Col du Galibier erwartete uns auf dem Campingplatz in Guillestre eine eiskalte Nacht in den Zelten. Das doppelwandige Prinzip des LOWLAND Caribou 3 EXT machte sich sofort bezahlt, es gab kein Kondenswasser im aushängbaren Innenzelt. Durch die steigende Form vom Fußraum in der Apside zum Moskitonetz am Eingang wird auch die Feuchtigkeit der Insassen nach außen ins Vorzelt transportiert und kann dort über die Lüftung in der Apside entweichen. Im Polozelt wird der Insasse vom eigenen Schweiß und Kondens berieselt. Ein weiteres unverzichtbares Detail ist eine gute Kopflampe, wie z.B. die hier verwendete Petzl Tikka Plus. Die Lampe hilft nicht nur beim Lesen, Kochen, Zelt aufstellen und dem Überprüfen des Fahrzeugs, sondern auch bei Notfällen als rot oder weiß blinkende Warnleuchte. Der Trangia Spirituskocher verrichtet seine Arbeit auch bei Minusgraden hervorragend, ein Gaskocher wäre sehr schwach.

Aufgrund der für diese Jahreszeit ungewöhnlich kalten Witterung machten wir uns auf den Weg zur Côte d'Azur. Wir fuhren eine interessante Strecke von 350km zwischen Guillestre und Ramatuelle in der Bucht von Sainte-Tropez. Auf dem hervorragend ausgestatteten Camping Les Tournels wurde wieder ein Lager errichtet. Auch hier an der sonnigen Küste war das Wetter wechselhaft. In einer Nacht prasselte 6 Stunden heftigster Regen auf unsere Zelte, dass dies dem LOWLAND Caribou 3 EXT nichts ausmachte war zu erwarten, aber auch das POLO Zelt blieb dicht! Im Gegensatz zu den innen feuchten Blinkern der BMW. Der Vorraum des Billigzeltes ist allerdings nicht zu gebrauchen, alles wird nass und schmutzig. Das LOWLAND Caribou 3 EXT ist ein perfektes Zelt für Motorradtouren mit Regenwahrscheinlichkeit, lediglich 2 Verbesserungen wären sinnvoll. Zum einen sind die Riemen unten am eingehängten Innenzelt derart breit, dass es mit kalten Fingern ein nerviges Geduldsspiel wird, das Innenzelt ein- und auszuhängen. Die Halter für das "Fenster" im Innenzelt sind auch falsch platziert, anstelle der zwei zu weit außen angebrachten Schlaufen wäre eine mittige Schlaufe sinnvoller.

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Natürlich kommt nach jedem Regen auch wieder Sonne. Wir nutzten das schöne Wetter zu einem klassischen Ausflug von 350km mit Rundfahrt um den Grand Canyon du Verdon. Diese Runde um die grandiose Schlucht ist zusammen mit dem Galibier Pass ein Highlight für jeden Motorradfahrer. Im Sommer ist die Strecke allerdings rettungslos überlaufen, daher bietet sich die Herbsttour für solche Strecken einfach an. Wer mehr über Alpenpässe erfahren will, sollte sich zwingend den Klassiker von Harald Denzel kaufen: Großer Alpenstraßenführer.

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Neben 2 Stadtbesichtigungs Tagen in den sehenswerten Orten Sainte-Maxime und Sainte-Tropez fuhren wir noch kleinere Tagestouren auf die umliegenden Pässe und am Meer entlang. Erwähnenswert sind da der Col du Canadel und der Col de Collebasse. Von Cogolin bin ich kreuz und quer über (zum Teil verbotene) Pisten und Wanderwege nach Croix-Valmer gefahren um die Pistentauglichkeit der BMW für meine Zwecke ein erstes Mal unter die Lupe zu nehmen und war begeistert. Auf gröbstem Schotter ist das Fahrzeug auch für einen Nicht-Geländefahrer wie mich gut beherrschbar. Traktion und Steuerbarkeit lassen keine Wünsche offen. Ich war auf diesen engen Schotterpässen allerdings nicht schneller als 50km/h unterwegs. Für geplante Reisen die auch Pistenstrecken beinhalten scheint mir das Fahrzeug bestens geeignet, vor allem da sich das Fahrverhalten auch mit Gepäck kaum verändert, nicht zuletzt wegen der einfachen Einstellmöglichkeit des Luftfederbeins. Auf den Tagestouren befestige ich den kleinen linken Koffer auf der rechten Seite um ein paar Gegenstände mitzunehmen oder einzukaufen. Man kann dann auch als 180cm Fahrer wieder "normal" auf das Motorrad aufsteigen und der Koffer verändert das Fahrverhalten nicht.

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Am 9. Tag unserer Reise entschlossen wir uns die Heimreise anzutreten, da schlechtes Wetter laut Internetrecherche (Connection Point auf dem Camping) drohte. Wie richtig die Entscheidung war, sahen wir später in den Nachrichten. Genau die Gegend in der wir uns aufhielten wurde von schweren Unwettern heimgesucht. Wir fuhren zuerst zum Camping in Vignoles zurück und von dort über die Autobahn nach Hause. Insgesamt sind wir etwas über 3.000km gefahren. Beiden Fahrern tat der Hintern gelegentlich ein wenig weh, mit den Fahrzeugen gab es keine Probleme. Die Sitzbank der BMW scheint mir nicht unbequemer als die der alten GS Modelle. Ich denke, dass die meisten Fahrer die sich beklagen den Fehler machen auf Nähten der Bekleidung zu sitzen. Man sollte darauf achten keine dicken Nähte an Hosen, Unterhosen usw. zu haben, dann ist alles halb so wild. In der Mohawk MVS-1 Hose von POLO habe ich mich wohl gefühlt, auch bei Minusgraden benötigte ich keine lange Unterwäsche.

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