BMW C 650 Sport

Motorroller haben in Deutschland eine lange Tradition. Der erste Motorroller deutscher Produktion, ein Lizenznachbau von Autoped, wurde 1919 von Krupp in Essen hergestellt; der Krupp-Roller von nur 130 cm Gesamtlänge hatte Vorderradantrieb. In der Nachkriegszeit des 2. Weltkriegs wollte Mann aus dem Hause Vespa die überlebenden Frauen auf ein Zweirad bringen, denn davon gab es weitaus mehr als Männer und ein Mitteneinstieg war mit Kleid oder Rock gut machbar. Die typische Form stammt von Motorrollern alliierter Luftlandetruppen, den sogenannten Welbikes. In den Jahren des Wirtschaftswunder kam es dann zum Rollerboom. Alle die sich keinen Volkswagen leisten konnten, fuhren halt mit einem Heinkel Tourist und Ähnlichem in den Süden. 1961 war der Rollerboom auf dem Höchststand, aber schon 1971 war es bereits Tiefstand, fast 80% weniger. So wie für das Motorrad als Fahrzeug des kleinen Mannes ein neuer Lifestyle her musste, ersann man in den 1990er Jahren den modernen Roller:

"Erst in dem Moment, als die Hersteller erkannten, dass sich 50er Roller nicht nur an Hausfrauen und Pastoren verkaufen ließen, gewann die Rollerwelle an Schwung. Der Schlüssel zu dieser Entwicklung lag in der Entdeckung der sportlichen Roller-Gene.“ Alan Seeley

Genau diesem sportlichen Image schloß sich BMW mit dem Großroller C 600 Sport im Jahr 2012 an. Die aktuelle Version ist der 2017er Großroller BMW C 650 Sport. Der Einsatzbereich des 2-Zylinder Viertakters mit 60 PS ist groß. Egal ob Sonntags zur Kirche, Einkaufen, Cafe Racen oder die sportliche Landstraßen Tour, der C 650 Sport scheint eine Nische zu besetzen die BMW in der Palette fehlte. Seit 2012 nehmen fast 30.000 BMW Roller am Straßenverkehr teil. Ich hatte die Freude beim Motorrad Zentrum Niederrhein ein Fahrzeug zu leihen.
Sonntags vor der Kirche gibt der BMW C 650 Sport ein schickes Bild abKurz vorm Supermarkt anhalten, Kofferraum geöffnetDa geht Mann sogar sonntags Brötchen holenAuch in eleganter städtischer Umgebung zum Kaffee macht der Roller eine gute FigurDie schnelle Landstraße ich ein guter Ort für den BMW C 650 Sport
Schaltzentrale des Luxusrollers für etwa 12.000 Euro ist der Zündschlüssel. Eingedrückt nach links gedreht öffnet er die Tankklappe hinter der sich der Deckel und Einfüllkanal befindet. Die Öffnung mit dem Tankstutzen zu treffen ist ein wenig fummelig. Nach rechts gedrückt gedreht wird die Sitzbank geöffnet unter der zwei Helme oder aber jede Menge Einkauf Platz finden. Mit dem patentierten Flexcase lassen sich im Sport zwei Vollvisierhelme unterbringen. Rechts wie links neben dem Schlüssel warten zwei Handschuhfächer auf Handschuhe, Zigaretten, Handys oder Kondome, halt alles was der moderne urbane Reiter so benötigt.
Schaltzentrale mit Handschuhfächern rechts wie linksHandschuhfach rechtsDie Tankklappe wird mit Zündschlüssel geöffnet.Die Tanköffnung ist ein wenig fummelig, von der Seite kaum einzusehen.Unter der Sitzbank finden zwei Helme Platz.Der Innenraum ist beleuchtetWerkzeug gibt es wenig
Der BMW C 650 Sport fährt bis zu 180 km/h. Trotz kleiner Räder, 15 Zöller sind verbaut, sorgen 115 mm Federweg vorn wie hinten für Federraten die vor allem bei kurzen Stößen – Kanaldeckel! – für ausreichend Komfort, ohne dass man im Kurvenswing am Berg Präzision und Straffheit vermisst. Lediglich bei sehr harten ruppigen Bodenwellen treffen die Schläge auf den Fahrer. Dank ABS und Traktionskontrolle steht dem Fahrspaß auch bei schlechten Haftbedingungen wenig im Wege. Die Schräglagenfreiheit ist ähnlich wie beim Motorrad. In höherer Schräglage bei schlechtem Asphalt oder Bodenwellen schaffen die kleinen Räder es dennoch nicht eine Ruhe ins Fahrwerk zu bringen wie man es bei einem modernen Motorrad von BMW gewohnt ist. Letztendlich kann ein erfahrener Fahrer aber im Landstraßenbereich überall mithalten. Auf den Strecken des Niederrheins waren mir Harleys und andere Sonntagsfahrer ziemlich im Weg. Wenn die verstellbare Windschutzscheibe auf hoch eingestellt ist, kann man getrost auf einen Integralhelm verzichten. Man sitzt hinter der Scheibe und der Verkleidung vollkommen geschützt. In der Stadt und im dichten Verkehr ist der 250kg Roller dank tiefem Schwerpunkt einem Motorrad weit überlegen, mal abgesehen von leichten Enduros. Wer sich das nicht vorstellen kann, sollte mal an der Côte d’Azur oder in Paris herumfahren. Großroller fahren Auto- oder Motorradfahrer dort schwindelig. In Frankreich werden mehr solcher Roller verkauft als Motorräder. Auch in Spanien und den USA sind Großroller extrem beliebt, Deutschland ist an vierter Stelle bei den Zulassungszahlen.
Die mechanische Scheibenverstellung erfolgt mittels 2 SchraubenDie Scheibe auf hoch eingestelltDie Scheibe auf tief eingestellt
Die Sitzposition auf dem Roller ist gerade oder aber mit den Füßen im bequemen Easy Rider Stil nach vorn. Die Sitzbank ist bequem und wer einen empfindlichen Po hat oder zu Blasenschschwächen bei kalter Witterung neigt, kann die Sitzheizung anmachen. 2 Stufen sind zur Auswahl. Der Fahrer kann am Lenker für einen heißen Hintern sorgen, der Beifahrer kann am Sitz die zwei Stufen wählen. Heizbare Griffe gibt es auch. Die Griffarmaturen gleichen denen der BMW Motorräder, ABS, Traktionkontrolle und Warnblinkanlage, Hupe, Lichthupe und Informationen werden linksseitig ausgeführt. Rechts wird gestartet und die die Heizungen betätigt. Im BMW typischen Cockpit wird man neben Geschwindigkeit und Drehzahl noch mit Infos zum Reifendruck versorgt.
Gerade sitzen oder Easy RiderHeiße Zeiten für SoziasLinksseitig wird gehupt, gelichthupt, Infos und Warnblinkanlage bedientStart, Stop und HeizungenDie Geschwindigkeit steht im Vordergrund.
Der Roller sieht von vorn wie von der Seite schneidig und sportlich schlank aus. Für die erhellenden Momente gibt es jede Menge LED Beleuchtung. Ein Tagfahrlicht wie bei Supersportlern und schick integrierte LED Blinker sorgen für eine schlanke, angriffslustige Shilouette und Frontansicht. Erblickt man diesen Roller hinter sich im Rückspiegel oder er kommt einem entgegen, dann merkt man nicht sofort dass es ein Roller ist. So grüßten mich einige Motorradfahrer, was eigentlich ziemlich verpönt ist.
LED Lichter allernorts und eine schlanke ShilouetteAuch nach hinten strahlen LEDsFrank Bick auf dem Roller, je oller desto doller.
Fazit: Ob Mann oder Frau sich solch ein Fahrzeug zulegen sollte ist schlichtweg ein Luxusproblem. Gebrauchen können wir ihn alle, bezahlen leider nicht so einfach. Es ist ein Luxusroller, der auch im Unterhalt nicht sparsam ist, Automatik und 60 PS lassen den Spritverbrauch schnell auf 6l steigen. Zudem dürften Wartung und Service bei BMW auch spürbar zu Buche schlagen. Damit ist der Besitz eines solchen Fahrzeugs aber gleich auch wieder ein den Status erhöhender. Ganz im Gegenteil zu den chinesischen Pendants, die eher dem Proletariat zugeschrieben werden.

TECHNISCHE DATEN: BMW C 650 SPORT (BMW C 650 GT)
Motor: 2-Zyl.-4-Takt, flüssig gekühlt, DOHC, 8 Ventile, EFI; Hubraum: 647 ccm; Leistung: 44 kW (60 PS) bei 7500/min; Maximales Drehmoment: 66 Nm bei 6000/min; Fahrwerk: Stahl-Brückenrahmen, Stahl-Heckrahmen; USD-Telegabel 40 mm; liegendes Monoshock; Einarm-Alu-Hinterradschwinge als geschlossener Kettenkasten; Getriebe: stufenlose CVT; Bremsen vo/hi: 2 x Scheibe 270 mm, Doppelkolbenbremszangen/Scheibe 270 mm, Doppelkolbenbremszange, ABS/ASR serienmäßig; Federweg vo/hi: 115 mm/115 mm; Bereifung vo/hi: 120/70-15, 160/60-15; Radstand: 1591 mm; Sitzhöhe: 800 mm (805 mm); Tankinhalt: 15,5 l; Gewicht vollgetankt: 249 kg (261 kg); Verbrauch (Werksangabe lt. WMTC): 4,6 l/100 km; Höchstgeschwindigkeit:  180 km/h; Verkaufspreise 2016: € 11.550,– (BMW C 650 Sport) bzw. € 11.850,– (BMW C 650 GT);

Mehr Infos: Motorrad Zentrum Niederrhein