Ostsee xChallenge 10

Frank Bick
Die zweite Tour mit der 2009 erworbenen BMW G 650 Xchallenge steht an. Geplant ist eine Reise entlang der Ostsee. Grund für diese Strecke ist zum einen, dass ich in den Sommerferien frei habe und mit hohen Temperaturen und vielen Touristen rechnen muss (da wäre Süden zu unangenehm), zum anderen die Möglichkeit in Skandinavien ein wenig Pisten zu fahren. Die BMW ist größtenteils ausgestattet, lediglich bei Navigation und Gepäck kommt es zur Erweiterung. Die Grundausstattung wie Koffer wurde bereits in den Artikeln BMW G 650 X sowie Alpen xChallenge 09 beschrieben. Bei der Touratech GmbH habe ich ein Garmin Zumo 660 mit abschließbarer Halterung erworben. Wie die Fotos es zeigen, werden die Armaturen der BMW nicht verdeckt und das Gerät ist mühelos zu erreichen und gut zu erkennen. Die Sicherung des Gerätes eignet sich nur gegen Gelegenheitsdiebe z.B. beim Tanken. Wer einen Schraubendreher dabei hat, kann den Bügel mühelos aufhebeln. Bei der xChallenge vibriert das Gerät während Stillstand und Fahrt nicht sichtbar, man fühlt lediglich bei Berührung feine Vibrationen.
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Eine zweite Erweiterung wird bezüglich der Reichweite vorgenommen. Im Norden Schwedens ist das Tankstellennetz nicht so dicht wie bei uns, die Reichweite der xChallenge von etwa 200km könnte nicht ausreichend sein. Daher werden 6l zusätzlicher Sprit transportiert. 3 Kanister à 2l und eine 0,6l Brennstoffflasche von Primus ergänzen die Tankfüllung von etwa 10l. Die Reichweite wird so um ca. 150km erhöht. Vorteil ist, dass bei Strecken mit guter Versorgung die leeren Kanister das Fahrverhalten z.B. auf Pisten nicht beeinträchtigen, wie es bei fest montierten Tanks der Fall wäre.
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Das Fahrzeug muss bei einer Reise natürlich vorher zur Inspektion. Neue Reifen, Ölwechsel, Bremsen kontrollieren. Diese Routinearbeiten dauern beim Motorrad-Zentrum-Niederrhein dank Markus Göthert etwa 2 Stunden, fertig.
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Bei Reisen in weniger dicht besiedelte Gegenden, mit Möglichkeiten zum wild campen, kaltem und regnerischem Wetter, bei Sahara Touren, in der Mongolei, Finnland, Russland etc. sollte man einen flexiblen Kocher dabei haben. Ungeschlagen ist der Allesbrenner von Primus, der Omni Fuel. Man kann sich für die morgendliche Kaffeezeremonie eine Gaskartusche mitnehmen um einen schnellen Kaffee zu brühen und zu Abendessen oder zum ausgiebigen Frühstück mit Ei, Schinken und Speck die Brennstoffflasche mit Superbenzin anschließen. Der Omni Fuel mit angeschlossener Benzinflasche ist auch in der Lage ein großes Zelt oder eine Hütte zu beheizen und hilft so beim Trocknen der Fahrerausrüstung. Im kleinen Zelt hingegen ist die geruchsfreie, saubere Kartusche die bessere Lösung. Auch Petroleum das weltweit erhältlich ist, verbrennt der Omni Fuel problemlos.
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Zwecks Übernachtung auf Campingplätzen oder in der Wildnis kommt ein Kuppelzelt von VAUDE zum Einsatz. Das Zelt sollte nicht nur leicht, sondern auch mit geringer Stellfläche ausgestattet sein. In den Sommerfereien sind die Campingplätze gerade an der See immer sehr voll, Platz für einen langen Tunnel findet man nur selten. Auch für Übernachtungen im finnischen Wald oder an Ufern der unzähligen Seen ist ein kleines Zelt von Vorteil. Nachteilig wird es nur dann wenn längere Regenphasen einsetzen. Auch auf den notwendigen Einsatz der Spannleinen und Heringe sollte geachtet werden. Tunnelzelte müssen neben der Stellfläche auch Raum für Abspannleinen haben. Als perfekt erwies sich daher das 1,5kg schwere und superklein verpackbare 1-Personen-Zelt Hogan Ultralight Argon von VAUDE.
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Um Komfort und Flexibilität für den Sommer zu erreichen, habe ich die Kombination von 2 Matten, Daunen-Schlafsack (0°C), Bettlaken und Fleece-Kopfkissen gewählt. Die kleine Thermarest Schlafmatte wird noch von einer Ridge Rest Schaumstoffmatte unterstützt, so liegt es sich bequem. Gleichzeitig ist es die Matte für das Leben vorm Zelt und am Strand. Ist es zu warm, decke ich mich entweder mit dem geöffneten Schlafsack oder dem Bettlaken zu, entweder Schlafsack oder Bettlaken oben. Ist es kalt kann das Bettlaken auf die Matten gelegt werden und man hat nicht das kühle Kunststoffgefühl. Wird es unerwartet kalt, kann das Bettlaken einmal gefaltet über den Schlafsack gelegt werden.
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Die richtige Fahrerbekleidung ist wesentlich für gute Laune, sicheres Fahrverhalten und geringe Ermüdung. Ein Fahrer der schwitzt oder friert, fährt bei weitem nicht so sicher und konzentriert wie der Fahrer mit der angemessenen Kleidung. Ich bin kein Sicherheitsfanatiker, würde aber nie mit Latschen oder kurzen Hosen fahren. Auch ohne Helm geht es natürlich nicht. Allerdings fahre ich bei heißem Wetter lieber luftig bekleidet und langsam sowie ausschließlich Landstraße als in einer Kombi zu verglühen. Im Groben bin ich immer in drei Bekleidungsvarianten unterwegs: 1. Heisses Wetter, Landstraße, bis 80 km/h; 2. Warmes Wetter, Landstraße oder Piste, 40-80 km/h; 3. Kalt, regnerisch, Landstraße und Autobahn bis 130 km/h. Der Nolan 103 hat sich bisher als bequemer Tourenhelm erwiesen. Als die Lüftung nach 5.000 km einen Defekt hatte, wurde der Helm in 3 Tagen repariert, vorbildlicher und freundlicher Service.
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Abfahrt 11:00 Uhr:
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30.07. 2010 Die ersten 3.300km Landstraße sind gefahren. Da es ums Fahren geht, meiden wir Autobahn und fahren nur auf Landstraßen. Es ging von Wesel nach Wilhelmshaven, weiter nach Fehmarn. Über Dänemarks Inland nach Schweden, erster Camping Almhült. Die Route bestimmte im wesentlichen das Navi, die Einstellung >Autobahn meiden, kürzeste Strecke< führt zu interessanten Strecken.
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Auf dem Camping in Schweden stellten sich die ersten Probleme ein. Volker hat für seine erste Motorradreise eine F 650 in der BMW Niederlassung Essen erworben. Obwohl das Fahrzeug frisch aus der Inspektion kam und bekannt war dass eine Reise anstand, wurde er nicht auf die defekte Kette hingewiesen. Weiterhin behauptete der Verkäufer das Fahrzeug sei mit einem Hepco-Becker Träger ausgerüstet, der sich nach der Ersteigerung von Koffern als Touratech herausstellte, so dass andere Koffer besorgt werden mussten. Grausam. Peinlich. Willkommen im Glaspalast mit Hausbank und lustlosen Verkäufern.
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Weiter ging die Fahrt nun hinauf Richtung Norden. Von Almhült nach Kalmar ans Meer und dann nordwärts, nördlichster Punkt war Luleå, dann ging es ins Inland in die Fjällgegenden, die weitaus spannender zu fahren sind. Dort gibt es Kurven, Aussichten aber auch Mücken und Kälte. Daher habe ich auch zweimal in Hütten übernachtet. Volker hatte in Sundsvall einen Unfall und ist nach Hause gefahren, auch wieder mit dem ADAC.
Alle Fotos von der Reise wurden übrigens mit einer empfehlenswerten Canon G11 (gesponsert von doctosse.de) gemacht.
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Insgesamt wurden 4.400km gefahren, wovon lediglich 400km auf Autobahnstrecken entfielen. Man bekommt auf diese Weise einen schönen Eindruck von Land, Leuten und Lebensweise und sieht nicht nur einzelne Orte wie bei der öden Fahrt über die eh immer volle Autobahn. Die xChallenge bereitete keine Probleme, verbrauchte kein Öl und im Durchschnitt 3,5l/100km, Tachostand 15.000km. Das Garmin Zumo führte erfolgreich über alle Landstraßen, wenn man sich an die Bedienung gewöhnt hat, findet man Tankstellen, Campingplätze und Sehenswürdigkeiten immer zur richtigen Zeit. Das 1-Personen-Zelt Hogan Ultralight Argon von VAUDE ist sturmfest und wasserdicht, bei längeren Phasen mit nasser Witterung aber zu klein, daher eher für den Süden Europas und Afrika zu empfehlen.
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Zwei Ausrüstungsgegenstände waren defekt, ein Benzinkanister und ein Sitzkissen von Primus. Was die Benzinkanister betrifft, so muss man beachten den innenliegenden Einfüllstutzen eingesetzt zu lassen, ansonsten sind die u. a. von Touratech vertriebenen Behälter nicht dicht. Zudem würde ich in Zukunft Ersatzdichtungen mitnehmen, in manchen Situationen kann ein undichter Kanister zu schweren Problemen führen. Der Kundendienst von Touratech lieferte nach der Reise Viton O-Ringe mit 17mm Außendurchmesser und 2,5mm Stärke, diese O-Ringe funktionieren und machen einen stabileren Eindruck als die originalen Dichtungen. Packliste im PDF Format.

Fazit der Tour: Eine interessante Strecke, durch Meer, Fähren und Fjäll und das ausschließliche fahren von Landstraßen gut zu machen. Von Motorrad-Abenteuer kann man bei den freundlichen, hilfsbereiten und todlangweiligen Schweden und gut ausgebauten Straßen nicht sprechen. Eine gute Einsteiger- oder Anfängertour.