Magazin Art

Frank Bick 2012
Joseph Beuys legte mit seinem Satz "Jeder Mensch ist ein Künstler" den Grundstein für eine Welt von vermeintlichen Superstars. Er forderte keine Qualität und wir haben auch keine bekommen. Der Wunsch aber, erfolgreich, schön und berühmt zu sein, ist sicher bereits früher in den Genen des Menschen angelegt worden, survival of the fittest. Noch vor wenigen Jahrzehnten waren wir mit einer übersichtlichen Zahl an Zeitungen und Fernsehsendern ausgestattet, die Auswahl von Berühmtheiten war stark eingegrenzt, es wurde nur erwähnt wer oder was wirklich Leistungen vollbrachte und außergewöhnlich (talentiert) war. Beginnend mit Beuys sind die Zeiten längst vorbei, die Medien laufen vollends einer zu erfüllenden Quote hinterher und bringen alles und jeden der Quote bringt. Hierzulande werden Länder mit kontrollierter Presse gern kritisiert, aber im Prinzip kann man bei uns auch nicht von Pressefreiheit reden, denn der ursprüngliche Gedanke einen Gegenpol zur Politik und Wirtschaft zu haben und so Demokratie zu stärken, greift längst nicht mehr. Politik wie Presse sind abhängig von Quote und Wirtschaft und können jederzeit grundlos in Ungnade fallen, ganz im Gegensatz zur Wirtschaft, wie wir heute wissen. Viele vermeintlich große Persönlichkeiten sind für gesellschaftliche Belange bedeutungslos, existieren eigentlich nur im medialen Raum, im inszenierten medialen Ereignis. Der Dalai Lama hat für Tibet genauso wenig erreicht wie Trettin für die Abschaffung der Getränkedose aus Aluminium die mehr Absatz als je zuvor hat, aber wird das so wahrgenommen? Hat Daniel Kübelbeck wirklich Talent?
Die folgenden satirisch angelegten Titelblätter zeigen, dass mit Hilfe der Fotografie und der Bildbearbeitung jeder zur wichtigen Person mutieren kann, ganz im Sinne von Joseph. Völlig unbekannte Personen - in diesem Fall Frank Bick und Birgit Brechbühler - wirken allein dadurch prominent, erfolgreich, schön, reich oder heilig, dass sie entsprechend fotografiert werden und mit der Bildbearbeitung in einen "wichtigen" Kontext gepackt werden, in diesem Fall das Time Magazin© und die Zeitschrift Emma©. Die selben Personen, an einem Tag fotografiert wirken vollkommen unterschiedlich. Der Zeitungsrahmen und die Fototechnik sorgen für mehr Wichtigkeit als die Inhalte, diesen Effekt bezeichnete Marshall McLuhan treffend mit DAS MEDIUM IST DIE BOTSCHAFT.

Medien bevorzugen Gewaltthemen, dass Spiel mit der Angst der Leser erhöt die Quote.Schwarz weiss, Belichtung von vorn (2 Blitze), stark überschärft, nah dran (close up), Ausschnitt und schon wirkt ein Mann hart, unnahbar, ja gefährlich. Kombiniert mit Gewaltthemen, die von allen Medien bevorzugt werden weil sie Quote bringen, wirkt das Titelblatt spannend und aufregend. Weil wir paradoxe, dumme und aufreißerische Titel gewohnt sind, fällt die Unechtheit erst beim zweiten Hinsehen auf.





Die harten Zeiten sind vorbei, Kuschelpädagogik ist angesagt, in dieser Zeitschrift allerdings nicht.Die Farbintensität ist auf 50% gestellt, dadurch wird ein Eindruck der 70er Jahre verstärkt. In dieser Zeit erfand man die Individualität, setzte auf antiautoritäre Erziehung und legte damit den Grundstein für die Spassgesellschaft. Die Kindergärtnerin wurde zwar nicht besser ausgebildet, hieß aber fortan Erzieherin. Die Lehrerausbildung wurde auch nicht besser, aber die Aufgabe schwieriger, denn die karriereorientierten, allein erziehenden, emanzipierten Eltern wollen ihre Kinder zwecks Erziehung in schulischen Einrichtungen abgeben.





Der Papst entscheidet meist gegen die Menschen, für die Kirche.Hohe Farbintensität, warme Farbtöne, ein Stück Stoff mit Wäscheklammern gehalten und ein Selbstporträt unter dem Kirschbaum macht den dümmlich grinsenden Buddhisten perfekt. Wenn sich in Tibet ein Mann in eine Höhle in den Bergen zurückzieht um seine innere Ausgeglichenheit zu finden, wird er freiwillig von der Bevölkerung ernährt und für seine egoistische Verhaltensweise sogar noch bewundert. Er beteiligt sich nicht am Sozialsystem sondert kümmert sich zu Lasten anderer um sich selbst. Wir verehren diese Götzen hierzulande auch. Menschen die sich hierzulande ähnlich verhalten, schätzen wir allerdings nicht: Hartz IV Empfänger kümmern sich auf Kosten anderer um ihr eigenes Wohl, ich sehe da keinen Unterschied und habe auch nichts dagegen.



Die ersten Ausgaben der EMMA waren sehr kritisch, hart und unbarmherzig gegenüber dem männlichen Geschlecht.Schwarzweiss, Erhöhung der Kontraste über Farbfilter in Photoshop, mehr Schärfe und die Armut und Mühsal der 60er Jahre ist zurück. Die geplagte Frau muss ihren Kindern und ihrem Mann dienen, sich noch um die Großeltern kümmern. Keine modernen Geräte unterstützen sie dabei. Dann kommt Alice und ruft zum lange fälligen Boykott auf. Die Frau hat Anrecht auf ein selbstbestimmtes glückliches Leben, da stören die männlichen Bewohner aber mächtig.





In der Flower Power Zeit kam die Emanzipation richtig in Fahrt. Wieder 50% Farbkraft. Die Hippiezeit ist fast zu Ende, die großen Errungenschaften sind vollführt. Die Frau wird in die Selbstständigkeit entlassen, das Sklaventum ist beendet. Sie muss jetzt selbst Geld verdienen, Karriere machen und ihr Leben planen. Mehr Wahlfreiheit führt letztendlich dazu, dass moderne Beziehungen nicht besonders lange halten, vor allem wenn Kinder dabei sind. Bewusstseinserweiterungen und Bioprodukte sind im Trend, da wird kräftig mitgemacht. Die Politik der Grünen wird die Zerstörung der Erde nicht aufhalten, Strom wird weiterhin ungebremst verbraucht, Hühner gequält, aus Dosen getrunken. Autos mit 10l Verbrauch sind auch die Favoriten der Erfinder des Fahrradständers am Bundestag. Die Emanzipation hat auch nicht mehr Glück gebracht wie Umfragen nach Lebenszufriedenheit zeigen. Medial ist aber alles im Lot, die Medien werden zum Feigenblatt einer Nation.



Die Frauen haben es geschafft, jeder dritte prominente Mann ist schwul! Und wenn die Frauen nun Erfolg haben, dann lässt sich Dieter halt operieren.Wer auf dem Titelblatt einer Zeitung wie TV-Spielfilm abgebildet ist muss man lesen, sehen kann man es nicht. Dank Photoshop Retusche sehen alle gleich aus. Übrigens auch bei der EMMA gehts ohne Retusche nicht mehr. Alterslos, makellos, in der Werbung wird als positiv angesehen dass eine Mutter mit ihrer Tochter verwechselt wird. Nachrichtensprecherinnen werden werden blond geklont, erzählen das Gleiche in überflüssigen informationsfreien Brennpunkten. Die Frau wird Managerin, Kanzlerin, Kettenraucherin, Herzinfarkt gefährdet und im Alter gegen ein junges, glattes Model ausgetauscht, wenn Oberflächlichkeit das Wichtigste ist, dann kann sie leider im Alter nur verlieren: Gleichberechtigung.