Was ist ein gutes Foto?

Frank Bick 2011

Die Frage was genau ein gutes Foto ist, füllt ganze Bücher, wovon ich hier mal lediglich eins empfehlen möchte, nämlich Andreas Feiniger "Die Hohe Schule der Fotografie" von 1961. Ich möchte hier der Ansicht widersprechen das Gute Fotos (gilt auch für Gemälde) Geschmacksache sind, denn es ist möglich Fotos objektiv zu bewerten. Um dies aber zu können, muss die Absicht des Fotografen und der Zweck des Fotos bekannt sein. Liegt also keine Einordnung und Beschreibung vor und der Fotograf knipst einfach alles was er "schön" oder "interessant" findet, so kann nur noch ein Aspekt der Fotografie bewertet werden, nämlich die technische Ausführung. In diesem Fall kann man nicht von Kunst, sondern lediglich von Kunsthandwerk sprechen, das Foto ist also eine möglichst realistische Illustration von Gegebenheiten. Von Kunst kann erst in dem Moment gesprochen werden wenn es zur Interpretation von Gegebenheiten kommt, was widerum voraussetzt das der Künstler Kenntnis des Gegenstands hat. Ein Künstler oder aber Profi muss folglich die Absicht haben Gegebenheiten zu verdeutlichen und erschafft Fotos oder Gemälde die diesem Zweck dienen. Dem Künstler liegt in meiner Definition eine allgemeingültige Botschaft öffentlichen Interesses am Herzen, also etwa politische, soziale oder ethische Ziele, während der Profi, z.B. der Berufsfotograf eine spezielle zielgerichtete Aufgabe eher nicht allgemeinen Interesses verfolgt, z.B. ein Werbefotograf hat die Aufgabe ein Produkt möglichst günstig abzubilden und ein Bildzeitungs-Reporter hat die Aufgabe einen Star möglichst ungünstig abzubilden. Beide Fotografen müssen daher gelegentlich ethische Aspekte missachten.

  Laie Amateur Profi Künstler
Technische Ausrüstung
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Technische Kenntnis
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Illustration von Objekten
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Interpretation von Objekten
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Spezielles Interesse am Objekt
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Interesse an allgemeiner Botschaft
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Ein gutes Foto wird also geplant, was mit der Auseinandersetzung mit dem Bildgegenstand beginnt. Dann wird unter Einsatz der technischen Möglichkeiten abgelichtet und das Foto für einen vorbestimmten Zweck erstellt. Erfüllt es einen allgemeinen Anspruch jedweder Art unter Berücksichtigung ethischer, sozialer oder politischer Aspekte und wird der Öffentlichkeit präsentiert, wird es zur Kunst, zum Zeitdokument und bleibt trotzdem zeitlos. Ob das Foto dabei scharf, farbig, groß, klein, asymmetrisch oder wie auch immer angelegt wird, hängt vollkommen von seinem Zweck ab. Ohne Kenntnis des Zwecks ist daher keine inhaltliche sondern lediglich eine technische Bewertung möglich.

Ein Beispiel für verschiedene Vorgehensweisen von laienhaft bis künstlerisch bietet die Reihe von Fotografien einer Gewöhnlichen Mamba, von unterschiedlichen Fotografen für unterschiedliche Zwecke im TerraZoo Rheinberg fotografiert. Die Frage welches der Fotos gut oder geeignet ist, hängt vom Verwendungszweck von Naturdokument bis Kalenderfotografie ab, bis auf das  laienhafte Foto, welches nur in dem Fall widerum Bedeutung bekäme, wenn es sich um ein einmaliges oder seltenes Zeitdokument handelte.
Eher laienhaft fotografiert. Der Blitz wird mit Automatik eingesetzt, kein Stativ, kein Natureindruck. Auf dem Niveau von Familienfotografie, Urlaubsfotografie.Zwar ist das Foto technisch auf Amateurniveau, aber dafür erfüllt es einige Kritereien der Naturfotografie, z.B. sind die gefurchten Giftzähne der Natter zu sehen und es ist gleichmäßig ausbelichtet und zeigt Naturraum. Ausserdem ist das Foto spannend!Technisch gesehen scharf und gut ausbelichtet fotografiertes Porträt das eher als Strukturstudie zu sehen ist. Als Naturdokument ungeeignet weil es das Wesen der Mamba nicht herausstellt und den Lebensraumeindruck verfälscht. Ginge es um Oberflächenstrukturen wäre es sicher gelungen.Das zum Teil mystisch wirkendes Foto mit dem starken Kontrast ist als Kalenderfoto oder als Plattencover sicher geeignet, es ist allerdings keine Naturfotografie und auch keine Kunst, denn die Botschaft fehlt.
Welches der Fotos eine gute Wahl ist, entscheidet der Verwendungszweck, das laienhafte Foto wird aber jeden Betrachter eher enttäuschen wenn er andere Mambafotos zu Gesicht bekommt.


Wer umfangreiche Ausführungen zum Thema möchte, sollte mal die Webseite vom Schweizer Andreas Hurni "Schöner Fotografieren" aufsuchen.