The Americans Seventeen

Ich will mir ein Bild der USA, dem Land und den Menschen unter ihrem aktuellen Präsidenten machen, ohne dabei auf einen Bildschirm zu starren und dabei auf das zu vertrauen, was mir auf einer rein imaginären Ebene präsentiert wird. Und das nicht nur, weil schon Alexander von Humboldt im 18. Jahrhundert die Ansicht vertrat, das die gefährlichste Weltanschauung von den Leuten verbreitet wird, die die Welt nie angeschaut haben. Vom 31.07. bis zum 15.10. reise ich daher mit Kamera und Schreiblock ausgerüstet mit einem Buick durch die Staaten, von San Francisco nach New York, von Chicago Los Angeles. Ich werde jeden Tag hier ein Statement hinterlassen.
20170801 Beim Blick in den Rückspiegel wird die Dieselfrage plötzlich nichtig und kleinAuf dem Weg zum Autovermieter, kommen mir die Reisenden mit hängenden Schultern und stumpfem Blick entgegen. Ich vermute, dass es an den soeben geführten Übergabegesprächen und dem Vertragsbündel liegt, das die meisten in Händen halten.

In Deutschland könnte sich Herr Kaiser von der Hamburg-Mannheimer eine dicke Scheibe von der Abschlussquote der Alamo Mitarbeiter abschneiden. Auf dem ersten Blick gehört Alamo zwar zu den preisgünstigen Anbietern im Geschäft der Autovermietung, in der Realität verlässt jedoch kaum ein Mieter den Schalter ohne  ein umfangreiches Zusatzpaket, das am Ende dann das Salz in die Suppe bringt.

Nachdem die meisten seit gut 24 Stunden auf den Beiden sind, fällt es schwer, die Konzentration zu halten und obwohl ich denke, das mit meiner Buchung alles OK ist, wird dieser Einschätzung wie zu erwarten, auf der anderen Seite des Tresens deutlich widersprochen.

20170731 Flagge zeigenNun sitze ich also im Flieger, um mich mit den Erinnerungen an nicht gelebte Träume zu verbinden. Es ist kein Zufall, dass ich dazu das Land gewählt habe, das den Menschen über Generationen als ein Sinnbild unbegrenzter Möglichkeiten galt und das nach der Wahl des neuen Präsidenten innerhalb weniger Monate an Strahlkraft verloren haben soll. Obwohl meine Entscheidung in keinem direkten Zusammenhang zu dem, von vielen als Katastrophe  empfundenen Wahlausgang steht, sehe ich in dem Zwiespalt, in dem ich dem neuen Präsidenten gegenüberstehe, so etwas wie eine Change auf eine Neuausrichtung eigener Wege. 

Wenn jemand eine Reise tut, so kann er viel erzählen!

Matthias Claudius

20170730 DollarIch möchte an dieser Stelle von einer Reise berichten, die erst in den nächsten Tagen beginnt. Es ist soweit alles erledigt und das was nicht erledigt wurde, wird wohl hinter mir bleiben und im Laufe der Zeit an Gewichtung verlieren. Was bleibt, ist die Erinnerung an die seltsamen Begegnungen, die sich im Vorfeld meiner Planung ereigneten. Ich bezeichne diese wahren Begebenheiten gerne als Erzählungen, weil sie mich ein wenig an die Geschichten aus dem fiktiven Schilda und seiner von Streichen geplagten Bürger erinnert.   

Wer Wege wählt, die sich in den Grenzbereichen normaler gesellschaftlicher Vorstellungskraft befinden, wird sich schnell mit Vorbehalten oder Ablehnung konfrontiert sehen und dürfte darüber hinaus auch mit allerlei seltsamen Reaktionen zu rechnen haben. Doch es überrascht, wenn einem seltsames an Orten begegnet, an denen es lediglich um die schlichte Abwicklung einer einfachen Dienstleistung geht.   

Ich gehöre zu den Menschen, die ihre Geschäfte immer noch nahezu ausschließlich auf der Ebene der Barzahlung abwickeln. Homebanking und Kartenzahlungen sind mir ebenso fremd wie auch Ein- oder Auszahlungen an irgendwelchen Terminals. Ich bin mir darüber im Klaren, dass ich damit ein Dorn in einer, vom Bankmitarbeiter bis zur Aldikassiererin reichenden Augenpalette bin und bin dementsprechend auch bereit den Preis dafür zu zahlen. Wie schnell sich das mir normal scheinende Anliegen ein Teil meines Geldes bei der Duisburger Sparkasse in Dollar zu wechseln, zum unterstellten Versuch der Geldwäsche wandeln kann, hat jedoch selbst mich überrascht.

Wie wäre es, wenn der Weg den Weg bildet und das auf diesem WeDg gesehene das Ziel ist. Würde man dann nicht mit jedem Blick eine Geschichte schreiben?

20170724 US Flagge in San FranciscoEs heißt, dass die amerikanische Flagge als Symbol für die Kraft des Landes und den Zusammenhalt seiner Menschen niemals den Staub des Bodens berühren darf. Eines der ersten Dinge, die in den 90ern während meines ersten Besuchs in den USA in den Gedanken an eine Suche nach geistigen Werten berührte, war eine kleine Flagge, die ich in den Trümmern eines Abrisshauses in den Straßen von San Francisco sah. Im Licht der Nachmittagssonne strahlte sie mich aus genau dem Staub an, in dem sie eigentlich nie hätte liegen dürfen. Wie und warum sie ihren Weg in den Staub gefunden hatte, sollte sich mir nicht erschließen. Sie machte mir allerdings deutlich, wie viel den Menschen ein Symbol bedeuten und wie fragil es in seiner Bedeutung werden kann, wenn sich in der Wahrnehmung der Menschen die Gewichtungen verschieben. Damals kletterte ich unter den Augen kritischer Passanten über den Bauzaun, stieg in die Grube und setzte mich neben die Flagge in den Staub. Dann nahm ich sie in dem Bewusstsein an mich, das sie solange sie sich in meinem Besitz befindet, niemals mehr den Staub des Bodens berühren wird.