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New York City Bike Kulture 2013

10th Indian Larry Grease Monkey Block Party / 5th Brooklyn Invitational

Text und Fotos: Peter Su Markus
Wer den Wunsch verspürte Zweiräder im Stil der alten Schule im Ursprungsland des Choppers zu erleben und im September den Weg nach New York auf sich nahm, dem wurde am 21. September die Möglichkeit geboten, im Rahmen zweier zeitgleich durchgeführter Treffen den führenden Köpfen der amerikanischen Schrauberszene dieser Stilrichtung und ihren aktuellen Aufbauten an einem Ort zu begegnen. Während im Zentrum von Williamsburg das Indian Larry Motorcycles Team zur 10th Grease Monkey Block Party lud, öffnete nur eine knappe Meile entfernt die 5th Brooklyn Invitational ihre Tore.

Entgegen aller NYC Wetterprognosen, die über einen Zeitraum von einer Woche für den 21.09. anhaltenden Regen und Sturmböen angekündigt hatten, zeigte sich das Wetter aller Prognosen zum Trotz von seiner Sonnenseite und so nutzten zahlreiche Biker bei entspannten 27 Grad die Gelegenheit auf zwei grundverschiedenen und noch dazu kostenlosen Veranstaltungen ihrer Chopper Leidenschaft zu frönen und sich dabei auf einer gedanklichen Reise durch die Welt der alten Schule zu eigenen Projekten inspirieren zu lassen.

Wobei diese Reise zumindest im Umfeld der Grease Monkey Block Party zunächst von einem mittelprächtigen Verkehrschaos und einer für Zweiräder eher ungewöhnlichen Suche nach geeignetem Parkraum ausgebremst wurde.

Obwohl der Startschuss zur Party erst um 11:00 Uhr fallen sollte, wurde der Parkraum  in den angrenzenden Nebenstraßen bereits um 10:00 Uhr so knapp, dass die zahlreich eingesetzten Mitglieder des NYPD nicht den geringsten Zweifel daran aufkommen ließen, jedes wilde Parken mit der Vergabe eines deftigen Tickets zu honorieren. Dies veranlasste selbst die in größeren Gruppen eintreffenden Mitglieder zahlreicher Einprozenter Clubs dazu mehrfach um den Block zu kreisen um einen Ticket freien Parkplatz zu finden und verdammte ab den frühen Mittagsstunden nicht wenige zu einem unerwarteten Fußmarsch.   

Gerade weil es Indian Larry zu Lebzeiten immer wieder betonte, ein anerkanntes Mitglied der Bewegung der alten Schule zu sein, ohne dabei einem Club anzugehören, mag die hohe Zahl der Colorträger auf der Party zunächst überraschen. Doch wenn man genauer hinsah relativierte sich dieser Eindruck. Waren es doch eher Vertreter einer gestandenen Altersgruppe oberhalb der 50ger, die sich vom Programm der Party angesprochen fühlten und die Gesellschaft gleich Gesinnter suchten. Da die Summe der MC´s in den USA weniger als eine Modeerscheinung zu betrachten ist und auf eine über Jahrzehnte gewachsene Tradition zurückblickt, sind deren frühe Mitglieder gezwungener Maßen ebenfalls in die Jahre gekommen. So begegneten sich während der Blockpartie nicht nur zweirädrige Aufbauten im Stil der alten Schule sondern auch zweibeinige Exemplare dieser Stilrichtung, die sich vor allem durch mächtig graue Bärte, umfangreiche Tattoos und eine Leibesfülle auszeichneten, die die Geschichten unzähliger gewissenhaft abgeleisteter Partys erahnen ließen.
 
Doch auch wenn die Gruppe dieser Biker im Herzen dem Grundsatz der alten Schule anhing, wiesen die in den Nebenstrassen abgestellten Untersätze längst nicht mehr den Knochen durchrüttelnden Pflichtstarrrahmen auf, sondern bestanden in der Summe aus voll ausgestatteten Dickschiffen der Marke Harley-Davidson, die neben einem Pflichtanteil an Lack und Chrome alle denkbaren und auch undenkbaren Annehmlichkeiten moderner Fahrzeugtechnik und Halterträume in sich vereinten und sich damit um Lichtjahre von den Regeln der alten Schule entfernt hatten. Auf die Stimmung nahm diese kleine, wohl eher unbedeutende Tatsache keinen negativen Einfluss.

Die Werkstatträume die vor dem offiziellen Startschuss noch jedermann frei zugänglich waren, wurden ab 11:00 Uhr zum heiligen Gral erklärt und obwohl Indian Larry lange vor dem Bezug des gegenwärtigen Werkstattdomizils verstarb, war man gerne bereit den eingeforderten 10 Dollar Schein über den Tresen des Merchandising Shops wandern zu lassen, um einen Blick auf die vermeintlichen Werkbänke des Meisters werfen zu dürfen.

Der abgegrenzte Straßenbereich der Blockparty blieb ausgesuchten Aufbauten vorbehalten, wobei der Reigen dieser Aufbauten von drei aktuellen Indian Larry Motorcycles Aufbauten eröffnet wurde, die selbstverständlich alle den von Indian Larry gepflegten Stil repräsentierten und sich damit bis auf unterschiedliche Lackierungen kaum voneinander unterschieden. Diesen Bikes wurden in loser Folge eine Reihe ausgesuchter Besucherbikes an die Seite gestellt, die durch die Aufbauten anwesender Zubehörhändler ergänzt wurden. Alles in allem entstand so eine interessante Stil Palette, in der sich die Träume vieler Anwesender widerspiegelten, die in ihrer zum Teil kompromisslosen Ausführung jedoch von den wenigsten tatsächlich gefahren wurde.    

Neben den bereits erwähnten Händlern zeigte eine ansehnliche Reihe von Künstlern einen Querschnitt ihrer Arbeiten. Die im Vorfeld angekündigte für das Lowside Magazin tätige  Szenefotografin Debbie Fitch hatte den Weg zur Blockparty offensichtlich nicht gefunden. Dafür hatte man mit Cole Foster und dem in allen Bereichen des Lebens als schrill zu bezeichnenden Bean´re zwei Stargäste eingeladen die von ihrem Wesen her nicht unterschiedlicher hätten sein können. Während sich der eher introvertierte Cole Forster mehr im Hintergrund des Geschehens hielt, brachte Bean´re die einfache Botschaft des von ihm verfassten Buchs MOTORCYCLE NOMAD lautstark unters Volk. "Lebe im hier und jetzt, mache dein Ding und habe Spaß!" Einfacher hätte man die Lebensmaxime des in erster Linie auf sich selbst konzentrierten Lebenskünstlers nicht ausdrücken können. Angesichts der Freude, mit der er diese Maxime vertrat, ließ er nicht den geringsten Zweifel an der Glaubwürdigkeit seiner Botschaft aufkommen.

Cole Foster wirkte ob der lautstark vorgetragenen Lebensweisheiten seines direkten Nachbarn  eher ein wenig ratlos, während Susan seine immer freundliche bessere Hälfte den Trubel um Bean´re dazu zu nutzen wusste, einige Shirts mit dem Aufdruck der Salinas Boys an den Mann beziehungsweise die Frau zu bringen. Da es mir nach gut zwei Stunden überwiegend Sinn freier Dauerbespaßung zuviel wurde, entschied ich mich dazu der Block Party den Rücken zu kehren, um die Lokation der Brooklyn Invitational aufzusuchen.
 
Da diese Veranstaltung in einem verkehrstechnisch kaum frequentierten Industriegebiet in Ufernähe zum East River über die Bühne ging, brauchte man sich dort um ausreichenden Parkraum keine Gedanken zu machen und stellte sein Bike einfach dort ab wo gerade Platz war. Das Bild das die Bikes im Umfeld der Brooklyn Invitational zeichneten unterschied sich deutlich von den Fahrzeugen, die auf der Blockparty zu sehen waren.

Zwar dominierten auch hier die Bikes amerikanischer Herkunft die Szene, doch handelte es sich bei diesen in der Summe um Fahrzeuge bei deren Aufbau einer der grundlegenden Gedanken der alten Schule, die Entfernung überflüssiger Teile, tatsächlich eine zentrale Rolle gespielt hatte. Leichtgewichtige Fahrmaschinen, die mit schlanker Silhouette daher kamen. Schmal bereift und auf das für einen reibungslosen Betrieb zwingend erforderliche reduziert.

Dazwischen immer wieder alte bis mittel alte Paralleltwins auf Triumph oder XS 650 Basis, die den amerikanischen Fahrzeugen optisch in nichts nachstanden und die Fahnen britischer und japanischer Fahrzeugtechnik angemessen vertraten.

Das Durchschnittsalter der Fahrer lag hier zwischen 30 und 40 Jahren, bei einigen deutlich weniger, bei wenigen deutlich höher, viele mit Bart, wenige mit Bauch, die meisten mit eine Aufbruchsstimmung der jungen Wilden zum Ausdruck bringend, die in einem von Szene-Kritiker Buddel für die Zeitschrift Custombike verfassten Beitrag im negativen Sinne als Custombike-Hipster ohne Wert für die Szene kritisiert werden und in unseren Breiten nur zögerlich die Anerkennung der "echten" Biker erlangen.

Im Rahmen der Brooklyn Invitational gaben sie mit ihren Umbauten jedoch in aller Deutlichkeit die Marschrichtung in der gegenwärtigen Umsetzung alter Schule vor und verstanden es auf beeindruckende Weise selbstbewusst zu ihrer jeweiligen Interpretation zu stehen und diese auch öffentlich zu vertreten. Dabei sollte man betonen, dass die hier abgestellten Bikes nahezu ausschließlich von altem Eisen bewegt wurden, das noch mit kräftigen Tritten zum laufen gebracht werden mußte und kaum einer der Hipster mehr als zwei Tritte benötigte, um diesen Job zu erledigen und seinem Motor ein kräftig sonores Blubbern zu entlocken.   
           
Angesichts der Masse eines solch konsequent in rostigem Metall geschlagenen Bewusstseins, stellten die Fahrer der voll ausgestatteten, Chrom und Lack überfrachteten Dickschiffe, die auf der Blockparty das Straßenbild beherrschten hier eher eine verschwindend kleine Minderheit. Die von ihrer Größe her mehr als überschaubare Veranstaltungshalle der Brooklyn Invitational, in der lediglich 24 ausgesuchten Schraubergrößen die Möglichkeit geboten wurde ihren aktuellen Aufbau zu präsentieren, öffnete ihre Pforten um 15:00 Uhr.

Da in der Halle Bier ausgeschenkt wurde und damit ein Altersnachweis gesetzlich vorgeschrieben war, hatte jeder Besucher vor dem Einlass zur Halle diesen zu erbringen. Die Tatsache, dass ich meinen Reisepass im Hotel gelassen hatte und somit den geforderten Nachweis nicht erbringen konnte, bereitete dem Türsteher einiges Kopfzerbrechen und auch mein Hinweis mit einem Alter jenseits der 50 durchaus eigenverantwortlich über den Konsum alkoholischer Getränke entscheiden zu können, stieß bei ihm nur auf geringes Verständnis und so bedurfte es der Entscheidung eines Obertürstehers, bis man sich dazu durchringen konnte, mir den Einlass auch ohne den vorgeschriebenen Nachweis zu gewähren.

In der Halle selber herrschte ein solcher Andrang, dass sich die Fertigungsqualität der wenigen dort gezeigten Fahrzeuge nur fragmentarisch erahnen ließ und so ließ ich mich ob des herrschenden Gedränges und dem einsetzenden Punk, der von einer Gruppe hoch motivierter Jungmusiker in einer die Ohren und Nerven zerfetzenden Lautstärke von der Bühne gerotzt wurde wieder zurück auf die Straße spülen, um mich noch einige Stunden durch das bewusste Betrachten dessen inspirieren zu lassen, was tatsächlich durch das alltägliche Leben rollt.

Fazit:

Mein zunächst gefasster Entschluss, die Nähe zwischen den beiden Veranstaltungsorten dazu zu nutzen beständig hin und her zu pendeln um die Atmosphäre über den Tag hinweg beobachten zu können, wurde von mir schnell verworfen. Als durchreisender Besucher blieb mir der tiefere Blick auf den Wesenskern beider Veranstaltungen verwährt. Es hat mir durchaus Spaß bereitet, mich mit der Masse treiben zu lassen und etwas von der an der Oberfläche herrschenden Stimmung aufzunehmen. Letztendlich komme ich jedoch zu dem Schluss, dass an beiden Orten für mein Gefühl eine Spur zuviel von allem geboten wurde, um tatsächlich als ein Abbild der Realität bestehen zu können.

Während man dem Sog des Schrillen, Bunten und Lauten der Indian Larry Grease Monkey Block Partie lediglich durch Kapitulation entkommen konnte, nutzen einige der ausstellenden Schrauber der Brooklyn Invitational die in den Nebenstraßen gebotene Ruhe um dort mit Freunden ihren Gedanken nachzuhängen oder dem Beispiel Max Scharff´s, dem Kopf der in Okland ansässigen 4Q, folgend einige Runden auf den Skateboard zu drehen, um sich anschließend in einer der in der Nähe angesiedelten alternativen Schrauberbuden auf eine Bratwurst vom improvisierten Grill und ein Bier abseits des Altersnachweises zu treffen.

Als ich in der Hoffnung, das eine oder andere Bike der Show noch einmal in Ruhe ablichten zu können, am folgenden Tag die Straßen um die Brooklyn Invitational aufsuchte, fehlte von den Bikes im Stil der alten Schule und all dem Flair der am Vortrag demonstrierten motorisierten Freiheit jede Spur und statt ihrer Aufgabe des Heldentumverbreitens nachzukommen, gingen die offiziell  ausgeschriebenen Helden der Szene leicht verkatert der eher nüchternen Aufgabe nach ihre Bikes sicher und fest für die Heimreise auf Trailern zu verzurren und sich zum Abschied gegenseitig in den Armen zu liegen.

Schön sei es gewesen und wenn alles gut ginge, würde man sich auf einem der zahlreich stattfindenden Treffen im nächsten Jahr sehen. Ich dagegen begann mich nach der Atmosphäre europäischer Treffen zu sehnen und würde mich dazu im nächsten Jahr eher wieder Richtung Frankreich und England oder möglicherweise auch Richtung Schweden orientieren.
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